Am 16.02.04 um 19:30 fand im DSP-Raum der Gesamtschule die Aufführug von Klamms-krieg statt - gespielt wurde das Stück von Klaus Falkhausen. Klamm war da... oder Die Selbstzerstörung eines Lehrers
Ein Lehrer-Schüler-Krieg - alles nur Theater? Oder Schulrealität?
Nach dem Amoklauf von Erfurt hat dieses von den Medien hochgelobte Stück von Kai Hensel, Jahrgang 1965, noch an Brisanz gewonnen und wird seitdem in der ganzen BRD aufgeführt.
Worum geht es? Hensel schildert den Schulalltag aus der Sicht des Deutschlehrers Klamm, der von sich und seiner Pädagogik überzeugt ist und seinen Schülern etwas beibringen will. Wenn nötig, vergibt er dabei auch schlechte Noten. Sascha fällt deshalb knapp durchs Abitur - und - erhängt sich. Die Schüler erklären daraufhin ihrem Lehrer den Krieg - die Demontage des Lehrers Klamm beginnt.
"Klamms Krieg oder 1 Punkt am Leben vorbei" wurde auch im Altonaer Theater von Klaus Falkhausen in einem brillanten Monolog gespielt. Uns bietet er im Anschluss an das Stück ein Nachgesprch an.
Schon beim Betreten des gut gefüllten Klassenraums schafft er eine unangenehme Atmosphäre: Wir nehmen die harten Gesichtszüge eines Mittfünfzigers wahr, seinen starren Blick, die streng nach hinten gekämmten Haare, Anzug, Weste und Krawatte, eine abgegriffene braune Aktentasche unter den Arm geklemmt beklemmend. Und kaum dass er am Pult Platz genommen hat, geht er zum Angriff auf seine Schüler über warnt, droht, schreit - denn er soll die Verantwortung übernehmen für den Selbstmord eines Schülers, dem er den letzten zum Abitur fehlenden Punkt versagt hatte. Dem Publikum im Neonlicht, Schülern, Eltern, Lehrern, bleibt keine Wahl: Niemand entrinnt dem Strudel von Gefühlen, die Klaus Falkhausen über eineinviertel Stunden aufwühlt: Betroffenheit, Angst, Schuld, Wut, Mitleid, Abscheu, Ekel. Im Bann dieses packenden Monologs kommt keine Langeweile unter den Zuschauern auf, denn jeder neue geäußerte Gedanke, jegliches Agieren Klamms überrascht, schockiert zeigt er doch einen vollkommen vereinsamten Menschen, der an sich, seinen Schülern, seinen Kollegen gescheitert und auch verzweifelt ist. So beginnt er plötzlich um die Gunst seiner Schüler zu buhlen, will sie ködern mit guten Zensuren für nicht erbrachte Leistungen, sie, die er vorher persönlich beleidigt, herabgewürdigt, bepöbelt hat. Das alles wirkt so glaubhaft, dass der Zuschauer sich erst aus Klamms Klauen lösen kann, als dieser Schwäche zeigt, sich betrinkt, zu entgleisen beginnt und klar wird, dass er seinen Krieg nicht gewinnen wird, seien seine auf dem Flur inszenierten Tobsuchtsanfälle noch so wortgewaltig. Am Schluss blicken wir auf ein menschliches Wrack, das mit der vom Schulleiter gestohlenen Pistole die Schule verlässt Zukunft ungewiss.
Als Zuschauer war es schwierig, sich im Nachgespräch mit dem leger gekleideten Klaus Falkhausen aus der Schülerrolle zu lösen, so dass sogar eine Lehrerin plötzlich ihre Frage vergessen hatte. Von Seiten der Schüler wurden nur wenige Fragen gestellt, aber es sind auch eindeutig sie, die am nächsten an den Lehrern dran sind, direkt unter ihnen zu leiden und vielleicht sogar einige ihrer Eigenheiten wiedererkannt haben...
Claudia v. Usslar