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Die Verzauberten Ritter Sie Fliegen

So überliefert es zumindest die Legende, die Schwester der Geschichte, die dem interessierten Besucher Krakaus erzählt, dass die Tauben auf dem Rynek, dem schönen Marktplatz der galizischen Metropole, die verzauberten Ritter des Fürsten Krak seien.

Es ist mir heute nicht möglich, das oben angesprochene außergewöhnliche Ereignis zu überprüfen, also halte ich mich an die Fakten, die Wiedergabe einiger Aspekte unserer ersten Austauschreise am Gymnasium Finkenwerder nach Krakau.

24 Schüler/innen der 9. Klassen, meine Kollegin Frau Rennert und ich fuhren am 16.9.05 um 6.51h mit dem IC 241 über Berlin, Cottbus, Liegnitz, Breslau, Kattowitz nach Krakau. Krakau ist eine lebendige Stadt, liegt an der Weichsel in Südpolen, verfügt über Universitäten, 20 Museen, beherbergt eine Million Einwohner, besitzt viele einladende Straßencafés, eine lange geschichtliche Tradition und erfreut im Herbst offenbar mit einem warmen, südlichen Klima.

Unsere polnischen Gastfamilien empfingen uns im Hauptbahnhof Krakau um 19.13 h. In den folgenden Tagen standen für unsere Schüler/innen Eindrücke um das Gymnazjum Nr. 11 und das Leben in den Gastfamilien im Mittelpunkt des Schüleraustausches. Wir hospitierten im Deutsch-, Englisch-, Spanisch- und Sportunterricht und nahmen an der gemeinsamen Begrüßungs- und Abschiedsveranstaltung teil. Mit besonderem Interesse hörten wir Hamburger, dass die Kursstärken in den Fremdsprachen bei höchstens 14 Schülern lägen, in allen anderen Fächern aber auch ca. 30 Schüler betragen können. Das riesige Kuchenbuffet am Abend des 25.9.05 hätte von einem Konditormeister nicht verführerischer gestaltet werden können. Außerdem im Programm: ein Besuch des Salzbergwerkes Wieliczka, klassifiziert als Weltkulturerbe, die Besichtigung Krakaus mit dem Besuch einer Synagoge, mit dem Rundgang auf einem alten jüdischen Friedhof und mit der Führung im Wavelschloss. Sehr eindrücklich gestaltete sich der Besuch der Gedenkstätte und des Museums Auschwitz, wo wir sehr nachdenkliche Stunden verbrachten.

Die Aufnahme in unseren Gastfamilien war sehr herzlich, die Erlebnisse unserer Schüler/innen erwiesen sich als vielschichtig: Die einen lebten in sehr wohlhabenden Familien, andere mussten sich auf das Leben in räumlich beengten Wohnungen einstellen, alle aber hatten zu erkennen, dass ihre Austauschpartner/innen in eher behüteten Verhältnissen lebten, und die Eltern auf die Einhaltung bestimmter Verhaltensregeln achteten. Unsere Schüler/innen erfuhren, was es bedeuten kann, ein Ausländer zu sein, denn sie befanden sich in einem Land, dessen Gesetzmäßigkeiten, Regeln, kulturelle Eigenheiten und Sprache sie nicht kannten. Sie waren auf die Hilfe der polnischen Jugendlichen angewiesen und erhielten von ihnen die Unterstützung, derer sie bedurften, um in Krakau zurechtzukommen. Sie erwarben soziale Kompetenz, indem sie Beziehungen anknüpften, ausgestalteten und durchschauten.

Der Schüleraustausch förderte die Herausbildung emotionaler und kreativer Kräfte. Langfristig können wir davon ausgehen, dass die beteiligten Schüler/innen die Unterschiede zwischen den Kulturen analysieren, Wert- und Vorurteile über die Fremdkultur als auch den Blick von der Fremdkultur auf die eigene Kultur erkennen, die eigene Kultur reflektieren, kritisch überprüfen und zu mündigen Staatsbürgern heranreifen. In diesem Sinne verstehen wir den Schüleraustausch mit unserer Partnerschule in Krakau als Erziehung zu internationaler Verständigung, die durch gemeinsames Erleben, vielleicht auch gemeinsame Projekte zu vertrauensvoller Zusammenarbeit finden kann.

Hans-Jürgen Huth

Zuletzt geändert am 16. Mai 2006 um 15:35 Uhr
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